Keine Seebrücke – Mission der „Aquarius“ wird eingestellt

München // 8. Dezember 2018 // Crueso, Äquator

Und wieder einmal sollte die „Aquarius“ in den Schlagzeilen auftauchen: Eines der größten zivilen Seenotrettungsschiffe muss seine Mission auf verstärkten politischen Druck und der gescheiterten europäischen Migrationspolitik hin einstellen.  Das teilten die Organisationen “ SOS MEDITERRANE“ und“Ärzte ohne Grenzen“ am 6. Dezember mit.

Nach dem der „Aquarius“ als eines der letzten Rettungsschiffe vor der Küste Libyens durch die Regierung Gibraltas die Flotte entzogen wurde, folgte im September auch Panama dem Beispiel und hob die Registrierung auf. Damit ist der „Aquarius“ das Handwerk gelegt.
So verbleiben im Einsatzgebiet vor der Küste Libyens, an einer der tödlichsten Grenzen der Welt, nur noch die Schiffe der Organisationen „Sea-Watch“, „Open Arms“ und „Mediteranee“, die sogenannte #united4med Flotte. Aktuell ist sie damit wohl die letzte Instanz, die, während die Europäische Union ihre Augen verschließt und Menschlichkeit verweigert, hier Hilfe zu leisten versucht. – und das angesichts einer steigenden Todesrate auf dem Mittelmeer, die unmittelbar auf die Blockade der zivilen Seenotrettung in den vergangenen Monaten zurückzuführen ist. Laut einer Studie des Italian Institute for International Political Studies ertrank im September eine von 5 Personen auf dem Weg über das Mittelmeer.

„Die Einstellung des Betriebs der Aquarius war eine äußerst schwierige Entscheidung, die es uns aber jetzt ermöglichen soll, unseren lebensrettenden Einsatz auf See so schnell wie möglich wieder aufzunehmen„, erklärt Frédéric Penard, Head of Operations von SOS MEDITERRANEE. „Wir weigern uns, an Land untätig dabei zuzusehen, wie Menschen weiterhin auf dem Mittelmeer sterben. Solange diese Menschen ihr Leben auf seeuntauglichen Booten riskieren müssen, wird SOS MEDITERRANEE da sein und der humanitären Tragödie im Mittelmeer mit allen verfügbaren Mitteln etwas entgegensetzen.

Weiter Abschiebungen – Protest nach #ausgehetzt Demo

In München protestierten heute etwa 600 Menschen im Rahmen der „Zeit wird’s: Heimat statt Ausgrenzung“ Demonstration. Die Kundgebung heute schließt sich den größten Demonstrationen Münchens an: Die #ausgehetzt Demonstration zählte mindestens 50.000 Teilnehmer*innen, eine Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit über 30.000. Denn die politische Praxis und deren Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen sind immer noch katastrophal: Es wird weiter nach Afghanistan abgeschoben, viele Geflüchtete dürfen in Bayern weder arbeiten noch eine Ausbildung machen, die als AnkERzentren* bezeichneten Massenunterkünfte werden ausgebaut und der Rechtsruck schreitet in Richtung systematischer Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus weiter voran.

*AnkERzentrum: Zetrum für Ankunft, Entscheidung und Rückführung

Foto: Kollektiv //endlagerromantik/Aaron Schinker